“In aller Freundschaft”-Star Rolf Becker ist tot: Seine Kinder teilen seine Leidenschaft
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Als Otto Stein bei “In aller Freundschaft” begeisterte Rolf Becker 19 Jahre lang ein Millionenpublikum. Nun ist der beliebte Schauspieler im Alter von 90 Jahren gestorben – doch sein großes Talent gab er an seine Kinder Meret und Ben Becker weiter, die zu Deutschlands bekanntesten Darsteller:innen gehören.
Steckbrief
- Name: Rolf Becker
- Geburtstag: 31. März 1935
- Todestag: 12. Dezember 2025
- Geburtsort: Leipzig
- Wohnort: Schneverdingen-Wintermoor
- Größe: 1,80 Meter
- Familienstand: verheiratet
- Kinder: eine Tochter und vier Söhne
Rolf Beckers beeindruckende Karriere
Rolf Becker (90) wuchs bei seinen Großeltern in Schleswig-Holstein auf, da sein Vater 1943 im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam. Sein Abitur legte er in Bremen ab. Danach zog es ihn in den Süden: In München besuchte er die renommierte Otto-Falkenberg-Schule. Sein Bühnendebüt gab er an den Münchner Kammerspielen, bevor er Engagements in Darmstadt, Ulm und Bremen annahm. Am Theater Bremen arbeitete er sich bis zum Oberspielleiter der Oper hoch, musste das Haus aufgrund seines Engagements in der Studentenbewegung aber verlassen. Seit 1971 ist er immer wieder am Hamburger Schauspielhaus tätig.
Seit den 1960er-Jahren begeisterte Rolf Becker mit starken Auftritten in zahlreichen Literatur- und Theaterverfilmungen, aber auch in zahlreichen Serien. Er verkörperte unter anderem Friedrich den Großen oder glänzte in Golo Manns “Wallenstein”. Eine seiner beeindruckendsten Rollen ist die des Staatsanwalts Strach in Volker Schlöndorffs “Die verlorene Ehre der Katharina Blum”. Neben seiner Paraderolle bei “In aller Freundschaft” war Becker in unzähligen anderen Rollen zu sehen. Dazu zählen “Tatort”, “Polizeiruf 110”, “Der Alte” oder “Derrick”.
Auch international feierte Becker Erfolge: So übernahm er 2012 in Alvaro Brechners deutsch-südamerikanischer Produktion “Mr. Kaplan”, die bei den Filmfestspielen in Cannes lief, die Rolle des “Aleman”, eines zu Unrecht verdächtigen deutschen Emigranten. Becker selbst folgte einem klaren Grundsatz, nachdem er sich seine Rollen aussucht:
Ausschlaggebend ist für mich immer: Was ist das für eine Geschichte? Ist es eine Geschichte, die Menschen bewegen kann? Die mich beschäftigt?
Seine Paraderolle bei “In aller Freundschaft”
Seinen ersten Auftritt bei “In aller Freundschaft” hatte Rolf Becker in der 300. Folge, die am 7. März 2006 ausgestrahlt wurde. Seitdem war er als Otto Stein ein fester Bestandteil der beliebten ARD-Serie und spielte darin den Vater von Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann), dem aktuellen Klinikleiter der Sachsenklinik. Otto war herzlich, bodenständig und hat für seine Freunde und seine Familie stets ein offenes Ohr.
Gemeinsam mit Charlotte Gaus (Ursula Karusseit, †79) führte er jahrelang die Cafeteria in der Sachsenklinik. Ihren gemeinsamen Lebensabend wollten die beiden auf Teneriffa genießen, doch dieses Glück sollte ihnen verwehrt bleiben. Nachdem Charlotte überraschend verstarb, kehrte Otto nach Leipzig zurück und gründet mit seinem Sohn eine Wohngemeinschaft. Um diesem im Alter nicht zur Last zu fallen, hatte er vor Kurzem (in Folge 1114) beschlossen, in eine WG für altersgerechtes Wohnen umzuziehen. Im Interview mit der “NWZ” verriet Becker vor einigen Jahren, was er an der Serie “In aller Freundschaft” schätzt. Am besten gefiele ihm das wunderbare Ensemble, darum betont er:
Ich fahre mit Begeisterung zur Arbeit.
Vater und Sohn schwelgen in Erinnerungen
Bild: MDR/Saxonia Media/Rudolf Wernick
Zweites Standbein als Synchronsprecher
Mit seiner markanten und zugleich warmen Stimme hat sich Rolf Becker auch als Synchron- und Hörspielsprecher einen Namen gemacht. Neben Dokumentationen und der Hörbuch-Reihe “Länder hören – Kulturen entdecken” lieh er sogar Hollywood-Stars seine Stimme. So synchronisierte er den britischen Filmstar Ben Cross in “Palast der Winde” (1985) und war in “Geschichten aus Hollywood” (1994) die deutsche Stimme von Oscar-Preisträger Jeremy Irons.